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April 2002

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Wie man zusätzliche Tasten unter OS/2 nutzen kann

Von Niels Jensen © April 2002, Übersetzung: Philhard Ackermann

Der IBM Aptiva S-36, den ich mir vor über drei Jahren gekauft habe, wurde mit einer sogenannten IBM-Rapid-Access-Tastatur geliefert (s. nebenstehende Abbildung). Das heißt, daß ich unter Windows 95

und noch ein paar weitere Sachen mit speziellen Windows 95-Anwendungen machen konnte, die ich mir mangels Interesse nicht angetan habe. Als OS/2-Anwender konnte ich diese Spezialtasten sowie die sog. Windowstasten bis vor kurzem lediglich anstarren. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch dank einiger Freeware-Hilfsprogramme geändert, und in diesem kleinen Leitfaden möchte ich darlegen, wie ich mir die oben beschriebene Funktionalität unter OS/2 eingerichtet habe.

Um die sog. Schnellzugriffstasten benutzen zu können, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die Tasten müssen einen Tastencode (Scancode) generieren, wenn sie gedrückt werden.
  2. Es muß eine Software vorhanden sein, die auf diese Tastencodes reagiert (also z. B. ein Programm startet, ein Fenster darstellt, usw.)
  3. Man muß in der Lage sein, diese Reaktion irgendwie zu steuern, indem z. B. eine bestimmte Taste oder Tastenkombination mit dem Aufruf eines Programms oder dem Auslösen einer beliebigen anderen Aktion verknüpft wird.
Diese Aufgaben werden von den folgenden Freeware-Hilfsmitteln erfüllt: Sie können die gesamte benötigte Software kostenlos über die Links am Ende dieses Artikels herunterladen.

Die Installation des IBM Rapid Access Keyboard I Enablers

Der IBM Rapid Access Keyboard I Enabler, welcher beim Druck auf die Schnellzugriffstasten die benötigten Tastencodes generiert, wird installiert, indem man die Datei IBMRA1.SYS in das boot-Verzeichnis von OS/2 kopiert (also z. B. C:\OS2\BOOT\), die folgende Zeile der CONFIG.SYS hinzufügt
DEVICE=C:\OS2\BOOT\ibmra1.sys
und anschließend den Rechner neu startet. Dannach erzeugen die ganzen Spezialtasten Tastencodes, und als nächsten Schritt muß eine Software installiert werden, die anhand dieser Tastencodes Funktionen ausführen kann, also z.B. Win95Key und PMConf.

Installation von Win95Key und PMConf

Win95Key und PMConf werden durch Entpacken ihrer jeweiligen RAR-Archive in beliebige Verzeichnisse installiert, also z. B. D:\APPS\WIN95KEY\. Für diesen Zweck habe ich rar203.exe, welches ich bei Hobbes (http://hobbes.nmsu.edu/) gefunden habe, eingesetzt. Da rar203.exe ein DOS-Programm ist, kann man es nicht aus einem Verzeichnis mit einem langem Namen starten (z. B. F:\Applications\rar203.exe), und dasselbe gilt für die in diesem Archiv enthaltene unrar.exe (ebenfalls ein DOS-Programm). [Eine native OS/2-Version, die nicht diesen Beschränkungen unterliegt finden Sie ebenfalls bei Hobbes im Verzeichnis /pub/os2/util/archiver - Anm.d.Red.] Win95Key in der Version 2.11 scheint es als ZIP-Archiv nicht zu geben, also müssen Sie sich entweder ein unrar-Hilfsprogramm bei Hobbes suchen oder die z.B. in WarpZip enthaltenen Add-ons verwenden. Nach dem Auspacken des Archivs muß die Installationsprozedur ausgeführt werden, welche einen Win95Key-Ordner auf der Arbeitsoberfläche erstellt. Sie sollten sich eine Referenz des Hauptprogramms von Win95Key in Ihrem Systemstartordner anlegen.

Konfiguration von Win95Key

Win95Key enthält bereits einige vordefinierte Funktionen für bestimmte Tasten. Beispielsweise wird die rechte Windows-Taste so behandelt, als hätte man auf die OS/2-Warp-Schaltfläche im Warpcenter geklickt und die rechte Windows-Taste ruft die Fensterliste hervor, um den Wechsel zu einem anderen Prozeß zu erleichtern. Zur Zeit besteht die einzige Möglichkeit, die den verschiedensten Tastenkombinationen zugeordneten Funktionen herauszubekommen, darin, PMConf zu starten und sich die Liste der Tastenzuordnungen anzusehen. Sie können diese natürlich entweder anpassen oder gar löschen, falls Sie Ihnen mißfallen sollten.

Um die zusätzlichen Tasten des IBM Rapid Access Keyboard zu konfigurieren, starten Sie PMConf und klicken auf die Indexzunge Hotkeys, falls sie nicht sowieso im Vordergrund steht. Anschließend klicken Sie auf Get code , wodurch ein kleines Fenster auf Ihrer Arbeitsoberfläche erscheint, welches sich schließt, nachdem Sie die Taste betätigt haben, die Sie konfigurieren wollen. Um beispielsweise die von IBM mit Lotus WordPro beschriftete Zusatztaste zu konfigurieren, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Starten Sie PMConf, während Win95Key nicht gestartet ist.
  2. Klicken Sie auf die Indexzunge Hotkeys.
  3. Klicken Sie auf Get code .
  4. Betätigen Sie die zu konfigurierende Taste, also Lotus WordPro. Auf meinem System hat diese den Tastaturcode 199, welcher daraufhin im Fenster Key ScanCode erscheint.
  5. Wählen Sie den Typ des Plugins aus der betreffenden Pulldown-Liste aus, in unserem Fall wäre dies OpenObject..
  6. Klicken Sie auf Settings.... Ein weiteres Konfigurationsfenster erscheint, in welchem Sie den kompletten Pfad zum gewünschten Objekt eingeben können (auch mit Drag&Drop möglich). Schließlich geben sie den gewünschten Aktionstyp ein, hier also Running.
  7. Klicken Sie auf Hotkey Add.
  8. Wiederholen Sie die Schritte 3 - 7 für jede weitere zu konfigurierende Taste.
  9. Starten Sie Win95Key, und klicken Sie auf die Schaltfläche Apply in PMConf.
Ich habe folgendes eingestellt: Help öffnet den Ordner des Warp-Assistenten, Internet startet InJoy Dialer 2.3 und wählt sich ins Internet ein, Lotus WordPro und Lotus Organizer starten die angegebenen Programme, und Aptiva Installer schließlich ruft Cinema/2 TV auf. Trotz alledem blieben die Tasten zur Steuerung des CD-Spielers ziemlich nutzlos, bis ich den CD-Spieler für das WarpCenter entdeckte.

Installation des CD-Spielers für das WarpCenter

Der CD-Spieler für das WarpCenter ist eine REXX-basierte Anwendung, welche bei der Installation ein neues Fach mit der Bezeichnung CD-Player im Warpcenter anlegt und dort Schaltflächen für die Funktionen Einschalten, Zurückspulen, Abspielen, Vorspulen, Pause, Stop, Anspielen und Auswerfen sowie Lautstärkeregelung generiert. Die Installation des CD-Spielers erfolgt durch Auspacken des ZIP-Archivs in ein temporäres Verzeichnis und dem Aufruf des mitgegebenen Installationsprogramms. Dieses kopiert die Programmdateien in ein Verzeichnis Ihrer Wahl, legt das neue Fach im Warpcenter an und füllt es mit den beschriebenen Schaltflächen. Der CD-Spieler für das Warpcenter sieht folgendermaßen aus:

Das Herz dieses CD-Spielers besteht aus zwei REXX-Prozeduren: power.cmd und wccdcl.cmd. Die erste startet einen CD-Server, und die zweite führt alle Funktionen aus (Abspielen, Pause, Vorspulen, Zurückspulen, Anspielen und Stop), indem ihr das passende Argument beim Aufruf mitgegeben wird. Unglücklicherweise wollte es mir nicht gelingen, mit Win95Key und PMConf eine REXX-Prozedur durch Tastendruck auszuführen, aber da schreitet Dennis Bareis' REXX-Compiler zur Rettung.

Integration des CD-Spieles für das WarpCenter mit Win95Key

Mit Hilfe des REXX-Compilers läßt sich eine REXX-Prozedur zu einer EXE-Datei konvertieren, welche dann einer Taste der PC-Tastatur zugewiesen werden kann. Das ZIP-Archiv r2e99349.zip beinhaltet lediglich zwei Dateien: Das Programm zur Umsetzung von REXX nach EXE, REXX2EXE.EXE, und eine Hilfedatei im OS/2-INF-Format. Der REXX-Compiler wird folgendermaßen aufgerufen:
REXX2EXE.EXE <rexx-programm.cmd> <rexx-programm.exe>
ggf. zuzüglich einiger optionaler Parameter, die in der Hilfedatei beschrieben werden. Um den Compiler benutzen zu können, muß er in ein in der PATH-Anweisung der CONFIG.SYS enthaltenes Verzeichnis (z.B. C:\OS2\APPS\) kopiert werden. Die Konvertierung der Prozedur POWER.CMD wird folgendermaßen angestoßen:
REXX2EXE POWER.CMD POWER.EXE
Hierbei muß man sich im WCCD2B-Verzeichnis befinden. Als nächsten Schritt muß WCCDCL.CMD in vier verschiedene Prozeduren (PLAY.CMD, SKIP.CMD, BREAK.CMD und BACK.CMD) aufgeteilt werden, welche die jeweils benötigten Aufrufparameter hartkodiert enthalten. Nach der Modifikation sieht PLAY.CMD folgendermaßen aus
/* Client v1.4 */
/* arg sendstring */
/* NJ20020210 Above commented out to make it work with Win95Key */
/* In lineout statement replaced sendstring with 'PLAY' */
rc = RxQueue(create, c_d_s_e_r_v_e_r)
If rc \= "C_D_S_E_R_V_E_R" then
do
call RxQueue "DELETE", rc
rc = RxQueue(set, c_d_s_e_r_v_e_r)
rc = lineout('Queue:', 'PLAY')
end
else call RxQueue "DELETE", rc
exit

und alle werden nun, genau wie bei POWER.CMD gezeigt, in EXE-Dateien kompiliert. Demzufolge liegen Ihnen am Ende fünf neue Programme vor: POWER.EXE, BREAK.EXE, PLAY.EXE, BACK.EXE und SKIP.EXE, welche anschließend den CD-Spielertasten des IBM Rapid Access Keyboard in der oben beschriebenen Weise zugeordnet werden können. Zusätzlich habe ich <STRG-PFEIL HOCH> und <STRG-PFEIL RUNTER> so konfiguriert, daß damit die Lautstärke angehoben bzw. verringert werden kann.

Für den letzten Schliff werden die Eigenschaften der fünf Programme so geändert, daß der Sitzungsstatus auf Beim Start Symbolgröße eingestellt ist. Ansonsten blitzt bei jedem Tastendruck kurz ein OS/2-Fenster auf der Arbeitsoberfläche auf. Auch PMConf bietet eine solche Möglichkeit, allerdings handelt es sich dabei um eine globale Einstellung, und es dürfte auch Ihnen nicht gefallen, wenn Lotus Organizer oder Lotus WordPro in Symbolgröße starteten, wenn Sie die betreffende Taste betätigten.

Wie ich diese Software einsetze

Die in diesem Artikel beschriebene Software hat es mir endlich ermöglicht, die volle Multimedia-Funktionalität unter OS/2 zu erhalten.
Das IBM Rapid Access Keyboard, welches ich benutze, bietet die folgenden Schnellzugriffstasten:

Zur Zeit ist meine Tastatur so eingerichtet, daß die blaue Hilfetaste den Warp-Assistenten aufruft, mich die Internettaste mittels InJoy mit meinem ISP verbindet und die Lotus Word Pro-Taste sowie die Lotus Organizer-Taste logischerweise die angegebenen Programme starten. Aptiva Installer startet Cinema/2, ein weiteres Freeware-Programm, welches TV auf dem OS/2-Desktop anzeigt (beachten Sie bitte, daß Cinema/2 bei aktivierter Mausspur nicht funktioniert). Die vier grauen im Viertelkreis angeordneten Tasten sind jeweils so konfigueriert, daß sie den CD-Spieler für das WarpCenter starten, anhalten, vor- oder zurückspulen, und der CD-Knopf ist logischerweise so eingestellt, daß er die im Laufwerk befindliche CD abspielt. Die Msg-Taste schließlich ruft mein bevorzugtes E-Mail-Programm, Polarbar Mailer, auf. Die Talk und Delete Message-Tasten könnten in Verbindung mit einem Sprachsteuerungssystem verwendet werden. Soweit ich weiß, bietet eComStation ein API zur Verwendung in einer solchen Anwendung.

Bart van Leeuwen hat vor einiger Zeit in einer E-Mail angedeutet, daß er gerne auch die LEDs auf dem IBM Rapid Access Keyboard zum Funktionieren bewegen würde. Eine davon trägt den Titel Msg. Ich schätze, dies könnte dafür verwendet werden, den Eingang einer neuen E-Mail anzuzeigen, was zumindest für ADSL-Nutzer eine nützliche Sache wäre.

Ich hatte vorher erfolglos versucht, IBMRA1.SYS und XWorkplace, welches ebenso die Möglichkeit der Zuordnung von Funktionen zu Tastenkombinationen bietet, zur Zusammenarbeit zu bewegen. Zur Zeit habe ich XWorkplace nicht installiert.

Es existiert eine neuere Version (2.3) von Win95Key auf os2.ru. Es würde jedoch ein wenig Forschungsaufwand bedeuten, wenn man die WIN95KEY.INI der Version 2.11 mit dem neuen Programm zum Laufen bekommen wollte, und nach meinem Kenntnisstand besteht die einzige Neuerung darin, daß ein Problem bezüglich der Umbenennung des Warpcenters in eComstation gelöst wurde.


Daten und Quellen:

Win95Key incl. PMConf (w95k230.rar): http://os2.ru/projects/win95key/index.phtml.en
IBM Rapid Access Keyboard I Enabler (ibmra1.zip): http://hobbes.nmsu.edu/cgi-bin/h-search?key=ibmra1.zip
REXX Compiler (r2e99349.zip): http://www.labyrinth.net.au/~dbareis/index.htm
CD-Player für das WarpCenter (WC_CD_2b.zip): http://www.subsys.de/
rar203.exe: http://hobbes.nmsu.edu/cgi-bin/h-search?key=rar203.exe
RAR, native OS/2 Version: http://hobbes.nmsu.edu/cgi-bin/h-browse?sh=1&dir=%2Fpub%2Fos2%2Futil%2Farchiver&sort=type


Niels Jensen ist Honorarprofessor in der Abteilung für Chemotechnik der technischen Universität Dänemark, wo er in einer hauptsächlich Windows-basierten Umgebung seit Version 2.11 OS/2 für alle anfallenden Arbeiten einsetzt. Die Abteilung hat OS/2 seit Version 1.3 verwendet, um eine Pilotanlage zur Heißdestillierung in industriellem Maßstab zu steuern. Niels' hauptsächliches Forschungsgebiet ist die Prozessicherheit und in diesem Zusammenhang die Entwicklung plattformübergreifender Dienstprogramme.

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